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Zaubergeister und Hexenmeister

Scheibenhardt: Lauterpfludde verwandeln Bürgerstübel in Zauberwald

von Arnika Eck

lauterpfludde2012_kleinFantasievoll gewandet als Zaubergeister und Hexenmeister, Feen, Elfen und Waldtiere begrüßten die Lauterpfludde am Freitag- und Samstagabend im Bürgerstübel ihr närrisches Publikum. Der vielleicht kleinste Faschingsverein weit und breit zauberte dabei ein bemerkenswertes Programm auf die Bühne.
Mit 14 Akteuren und einigen Gastspielern unterhielten die Pfludde ihr Publikum bis weit nach Mitternacht. Die meisten Darsteller stiegen vier-, fünfmal und mehr auf die Bühne. In Sketchen wie „Das Telefonat” amüsierten Martina Winkler als Ehemann und Franziska Zittel-Reimann als Automechaniker mit einer Verwechslungsszene die Zuschauer. Der Ehemann, der sich mit der Klinik seiner Frau verbunden wähnt, ist in einer Autowerkstatt gelandet. „Wir haben ein neues Vorderteil eingebaut”, ist noch eine harmlose Neuigkeit.
Dagegen fand der Sketch „Marco Polo” (Akteure: Thomas Stephany, Stefan Pferrer, Klaus Rück) mit einer kräftigen Munddusche ein unangenehm nasses Ende für den König. „Im Restaurant” sind die Gags bedeutend köstlicher als das Essen. Die illustre Gästeschar verlangt nach dem Geschäftsführer. „Er sitzt gerade im Nachbarlokal und isst gut zu Abend”, posaunt der schusselige Kellner (Franziska Zittel-Reimann) heraus. Musikalischer Höhepunkt waren die Neu-Scheibenhardter Dieter Wetzel und Sohn Max (Gitarre und Akkordeon) mit einer Hommage an die Grenzgemeinde: „Scheiwehardt, Scheiwehardt, jeder Tag bei uns isch schee”, auf die Melodie von „Butterfly”. Eine weitere Liebeserklärung adressierte Wetzel, Mitglied der Band Chicken-Express, an die Pfalz: Bei der pfälzischen Version von „Country Roads” klinkte sich der ganze Saal ein: „Bundesstroß, die B10, zeich mer d' Richtung, ich will häm”. Rücklings auf der Bühne liegend verblüfften die Drei Tenöre (Martina Wagner, Angelina Stephany, Andrea Stahl-Horst). Einfach originell, wie ihre Gesichter als Miniatur-Tenöre aufgemacht, Stücke wie den „Kleinen grünen Kaktus” parodierten. Umrahmt wurden die Büttenreden und Sketche von Sanges- oder Tanzeinlagen: „Im Hühnerstall”, wo die Hühner auf den Strich gehen, oder Jennifer Winkler, die sich mit einem schwarzen Cape verhüllt als Lady Gaga mit Pokerface entpuppte. Thomas Stephany von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung gab singend und reimend sein Jägerlatein zum Besten. Während er im Fluss seine Notdurft verrichtete, erlegte er mit einem einzigen Schuss gleichzeitig einen 18- und einen 14-Ender und fing dabei mit seinem besten Stück noch eine Forelle. In der „Bettszene” gibt sich ein Ehepaar (Thomas Stephany, Martina Winkler) gnadenlos die Kante, bis der Verkäufer des Möbelhauses auftaucht und fragt, ob sie sich denn jetzt für das Bett entschieden hätten. Auch „Vor Gericht” geht es deftig zu, wo der Richter (Franziska Zittel-Reimann) über die Vaterschaftsklage von Fräulein Baumann (Jennifer Winkler) und dem Angeklagten (Thomas Stephany) zu entscheiden hat. Dann sangen die Jungfrauen der Lauterpfludde ein energisches Klagelied: „Donnerwetter, unser enner, find' heit owend widder kenner!” Die mitgebrachten, aufgeputzten Pappmaché-Kameraden stempelten als „Shit” ab. Eine Zugabe entlockte das Publikum dem Männerballett, das mit einem Schwimmkurs punktete. In Ringelanzügen und Fischmützen präsentierten sie sich anmutig in vielen Disziplinen und endeten in einer andächtigen Schlussformation bei „Time zu say good buy”. Elvira Rück, die auch bei zahlreichen Programmpunkten mitwirkte, moderierte den Abend. Nach dem Zauberwaldfinale eroberte sich am Freitagabend das Neuburger Dreigestirn (auf zwei Gestirne geschrumpft), noch mal das Narren-Ruder und peitsche ein mit „Hopp füll' nei, hopp füll nei, ich hab e viel zu leeres Schoppeglas”.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene, Ausgabe: Nr.38, Dienstag, den 14. Februar 2012

Geübte Grenzgänger

Seit 2003 wird jedes Jahr am 22. Januar der Deutsch-Französische Tag gefeiert. Nicht immer war der Austausch mit Frankreich selbstverständlich. Doch seit der Grenzöffnung haben sich die Kontakte in der Region intensiviert.

Von Katrin Brodowski

geuebte_grenzgaenger_kleinFranzösische Spuren aus vergangener Zeit sind in Scheibenhardt auf deutscher Seite nicht auf den ersten Blick zu finden. Auf elsässischer Seite verweisen dagegen Denkmäler auf die Kriegsvergangenheit, die die gleichnamigen Dörfer mit der unterschiedlichen Schreibweise lange getrennt hat. Nachdem die Grenzbalken gefallen sind und man ungehindert über die Brücke gehen kann, hat eine Annäherung stattgefunden, wie Ortsbürgermeister Edwin Diesel sagt. Er selbst arbeitet mit seinem Bürgermeisterkollegen auf französischer Seite, Francis Joerger, bei vielen Veranstaltungen zusammen. „Seit zehn Jahren organisieren wir gemeinsam den Neujahrsempfang, unser Brückenfest findet zum 17. Mal statt. Auch gemeinsame Martinsumzüge werden gemacht”, sagt Diesel. Die Grenzöffnung habe den Alltag offener und einfacher gemacht. Es gebe jedoch auch Trennendes, was eine Zusammenarbeit manchmal erschwere. Dazu gehöre das unterschiedliche Verwaltungs- und Schulsystem. „Mein Kollege Joerger gehört mit seiner Gemeinde zwar zur Verbandsgemeinde Lauterbourg, jedoch ist in Frankreich die Ortsverwaltung eigenständig. Sie muss ihren eigenen Haushalt aufstellen, Baugenehmigungen erteilen und vieles mehr.”
Da die französischen Kinder Ganztagsschulen besuchen, sei es mit einem grenzübergreifenden Treffen unter Jugendlichen schwierig. „Wir suchen auf verschiedenen Ebenen nach realisierbaren, gemeinsamen Projekten”, erklärt Diesel. Für das kommende Frühjahr wolle man eine gemeinsame Jugendfeuerwehr auf die Beine stellen. Natürlich spiele hier die Sprache eine Rolle, die Jugendlichen beider Seiten sprächen kaum die Sprache des Nachbarn, bedauert der Bürgermeister. Auch das Elsässische beherrschten immer weniger.
Etwas sichtbar Französisches gibt es in Scheibenhardt dann doch: den Bäcker vor der Lauterbrücke. „Aus Scheibenhard wie auch aus Büchelberg oder Berg kommen die Leute und kaufen ein. Die Angestellten stammen ausnahmslos aus dem Elsass und sprechen deutsch, elsässisch sowie französisch.”
„Lerne die Sprache des Nachbarn” - diese Voraussetzung zur Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen in der Grenzregion ist in der Kindertagesstätte „Bärenland” in Freckenfeld Programm. Seit 1986 nimmt die Einrichtung an dem rheinland-pfälzischen Projekt teil, das die französische Spracharbeit an Kindergärten fördert. Derzeit ist Florence Kretschmer die französische Sprachvermittlerin, berichtet die Leiterin des Bärenlands, Elisabeth Böttgenbach. „Die Kinder sollen spielerisch für die französische Sprache und die Kultur sensibilisiert werden. Sie sollen Spaß haben im Umgang mit fremden Wörtern sowie dem Entdecken einer fremden Sprache”, sagt Böttgenbach. Später seien dann die Berührungsängste mit der Sprache nicht mehr so groß. Es gehe auch um die Förderung der Toleranz und Akzeptanz im Umgang mit anderen Menschen. In jeder der Gruppen verbringt die Sprachvermittlerin einen Vormittag in der Woche, an einem Tag gibt es gruppenübergreifende Angebote. „Alle Spiele sind auf Französisch, alle Lieder und auch der Abschlusskreis danach”, erklärt die Leiterin. „Die Kinder, die Lust haben, mitzumachen, tun das. Aber auch die anderen, die in der Zeit mit etwas anderem beschäftigt sind, bekommen viel mit und lernen.” „Natürlich geht hier kein Kind raus und kann perfekt französisch”, weiß die Leiterin. Aber das Interesse an der Sprache sei bei dem ein oder anderen Kind geweckt. Französisch als Muttersprache sei Voraussetzung zur Einstellung, sagt Böttgenbach: „Wir hatten auch mal ein Kind hier, das später sogar in Bad Bergzabern das deutsch-französische Abitur gemacht hat.” Mehr zu diesem Thema in der Gemersheimer Rundschau

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Nr.15, Mittwoch, den 18. Januar 2012

Im Urlaub die Kita neu gestrichen

Scheibenhard(t): Beim Neujahrsempfang werden engagierte Bürger geehrt

neujahrsempfang_2012_ehrung_kleinZum zehnten Mal feierten die Grenzgemeinden Scheibenhard(t) ihren Neujahrsempfang gemeinsam vor einer stattlichen Gästekulisse von diesseits und jenseits der Lauter. Ortsbürgermeister Edwin Diesel sagte, dass das vergangene Jahr trotz sehr knapper Kassen erfreulich verlaufen sei. In Scheibenhardt hätten alle an einem Strang gezogen. So lobte er den ständigen Einsatz der Feuerwehr und der Vereine. Die Kita-Renovierung sei eines der großen Projekte mit rund 45.000 Euro Investitionen gewesen. Glücklicherweise seien viele Bürger dem Spendenaufruf für die Erneuerung der Kirchturmuhr gefolgt und es sei eine Summe von 4.500 Euro zusammengekommen.Besondere gelobt wurde Hugo Löhle, der bis zur Anschaffung der neuen digitalen Funktechnik die Uhr jahrelang zwei bis drei Mal monatlich neu einstellte. Zudem würdigte Bürgermeister Diesel den Einsatz von Gudrun und Adolf Therjan sowie Karsten Hoffmann in der Kita. Gudrun Therjan, Lehrerin für Malen und Lackieren an der Heinrich-Hübsch-Schule in Karlsruhe, deren Mann Adolf sowie Karsten Hoffmann verpassten einem großen Teil der Kita einen komplett neuen, professionellen Anstrich. „Mein Urlaub ging drauf”, sagt Gudrun Therjan lachend und freut sich sichtlich: „Das Schöne war, dass wir völlig freie Hand in der Gestaltung hatten".
Francis Joerger, Bürgermeisterkollege aus dem französischen Scheibenhard berichtete von dem bevorstehenden Bau einer Schule in Höhe von 1,2 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang regte er eine Begegnung der Kinder der beiden Scheibenhard(t)s an: „Zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen".
Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer ging auf die Fischtreppen an der Lauter ein. An der Bienwaldmühle sei das Projekt 2011 fertiggestellt worden und in Scheibenhardt derzeit im Bau. „Danach haben wir die Durchlässigkeit der Lauter auf über 38 Kilometern hergestellt, so der Bürgermeister. (arne)

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.9, Mittwoch, den 11. Januar 2012

Per Knutfest-Express ins Himmelreich

SCHEIBENHARDT: Floriansjünger stellen an der Grillhütte Party mit Christbaum-Verbrennung auf die Beine

knutfest_2012_kleinEine Abfahrt für Ski- und Rodelrennen 180 Meter lang, von Ortsende Scheibenhardt direkt ins „Himmelreich” bis hinunter zum Lauterufer, dann vielleicht gar noch eine Eisbahn auf der zugefrorenen Lauter. Das hatten sich die Floriansjünger der Scheibenhardter Feuerwehr für ihr drittes Knutfest tagelang eiskalt ausgemalt. Jeder hoffte auf die Wiederholung der Super-Apres-Ski-Party im Januar des vergangenen Jahres, als bei Eis und Schnee satt zwei riesige Schnee-Iglus als Bar entstanden waren. Natürlich wussten die Aktiven des Feuerwehr-Vereins, dass auf Petrus und das Wetter nicht immer Verlass ist und manchmal kein Schnee im Januar fällt. Dafür war längst eine Schneekanone gemietet, doch nur bei Minus ein Grad und hoher Luftfeuchtigkeit kann sie wirklich Schnee produzieren, berichtet Christian Carl, Vereinsvorsitzender, der täglich Wetterberichte checkte. „Es war viel zu warm, aber Feuerwehrleute müssen lernen, ständig mit neuen Gegebenheiten umzugehen, deshalb wurde umgeplant.” Mit einem Knutfest-Express wurden die Gäste aus Scheibenhardt abgeholt und ins „Himmelreich” - so heißt die Gegend rund um die Grillhütte - transportiert. Hier sorgten Musik und passende Getränke für eine zünftige Hüttengaudi mit vielen Gästen, die in Skikleidung dick verpackt bis zum frühen Morgen ihren Spaß im Freien hatten. Bei der Disziplin Christbaum-Weitwurf konnten sich sportliche Männer und Frauen beweisen. Siegerin wurde diesmal Michelle Dübon mit über sechs Metern, und fast sieben Meter schaffte Jochen Lehmann, wobei die Männer wesentlich größere Bäume durch die Luft werfen mussten. Der erste Preis ist jeweils ein neuer Tannenbaum im Dezember, denn nach Weihnachten ist bekanntlich vor Weihnachten. Anschließend zauberten die Feuerwehr-Jünger eine beeindruckende Feuershow in den nächtlichen Himmel, die mit einem großen Feuer mit den eingesammelten Scheibenhardter Christbäumen endete. Und weil Feuerbekämpfung das ureigenste Handwerk der Floriansjünger ist, standen sie mit Wasserspritze und Schlauchleitung bereit, um ihre Einsatzbereitschaft zu demonstrieren und Schaden zu verhüten. (bp)

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.9, Mittwoch, den 11. Januar 2012

20 000 Euro für DSL

Ausblick 2012: In  Scheibenhardt soll das Regenüberlaufbecken bei der Lauterbrücke gebaut werden. Weitere Investitionen sind nicht vorgesehen. Ausnahme wäre der Ausbau des DSL-Netzes - sofern genehmigt.

Von Katrin Brodowski

jahresausblick_2012_kleinFür ihre Verhältnisse tätigte die Ortsgemeinde in 2011 einige größere Investitionen. Darunter fiel zum Beispiel die Renovierung der Kindertagesstätte und die Anschaffung von Spielgeräten. Das neue Jahr soll unter einem sparsameren Stern stehen. Größte Investition soll der Bau des Regenüberlaufbeckens in der Nähe der Lauterbrücke sein. Das berichtet Ortsbürgermeister Edwin Diesel. „Bauherr ist zwar die Verbandsgemeindeverwaltung Hagenbach, für einen Teil der Kosten müssen jedoch auch die Ortsgemeinde und ihre Einwohner aufkommen. Die Kosten, die umlagefähig sind, werden durch wiederkehrende Beiträge erhoben", erklärt er. Die Gesamtkosten, die dabei auf die Ortsgemeinde zukommen, könnten zwar noch nicht genau beziffert werden, sie liegen laut Diesel jedoch in einer Größenordnung von 170.000 bis 190.000 Euro. Die Finanzierung sei nur durch eine Kreditaufnahme möglich.
„Weitere Investitionen sind daher nicht vorgesehen, es sei denn, in Sachen DSL gibt es grünes Licht und der gestellte Zuschussantrag für den Ausbau wird genehmigt", ergänzt der Bürgermeister. Dann müsste die Ortsgemeinde nochmals einen Betrag von etwa 20.000 Euro aufbringen. „Gespannt schauen wir auch auf den Planungsfortschritt für den Bau des Radweges , Scheibenhardt-Bienwaldmühle-Steinfeld'. Dieser Radweg eröffnet dem Tourismus in unserer Gegend wieder neue Möglichkeiten, um Gäste anzulocken", hofft Diesel.
Kulturell wird auch im Jahr 2012 wieder einiges geboten. Es beginnt mit dem Knutfest des Feuerwehrvereins an der Grillhütte am 7. Januar, dem schließen sich die „Bunten Abende" des Faschingsvereins „Die Lauterpfludde" an. Das Aufstellen des Maibaums durch den Obst- und Gartenbauverein gehöre nun schon zur Tradition. „Das Highlight im Veranstaltungskalender wird aber auf jeden Fall wieder das deutsch-französische Brückenfest am 2. und 3. Juni sein", ist sich der Ortschef sicher. „Im Jahr 2012 findet es zum 17. Mal statt."
Auch der Krampusrummel, verbunden mit Nikolaus mit Musik, wird nach dem großen Erfolg bei der Premiere im Jahr 2012 eine Neuauflage erfahren. Nicht zu vergessen seien die anderen Veranstaltungen der sport- und kulturtreibenden Vereine in  Scheibenhardt. „Die Entwicklung unseres Ortes ist hauptsächlich durch das kulturelle Miteinander geprägt. Die Vereine helfen sich gegenseitig und tragen so zum Zusammenhalt bei", ist Diesel überzeugt.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.2, Dienstag, den 03. Januar 2012