Wo schon Kinder „Bonjour” sagen

Comment ça va? Good morning, how are you? Oder doch lieber nur ein gepflegtes Hochdeutsch als Gegensatz zum Südpfälzer Dialekt? Die Kitas in der Südpfalz haben bezüglich der Sprachförderung ganz unterschiedliche Konzepte, für deren Umsetzung aber ein gemeinsames Rezept: Spaß soll es machen und spielerisch vonstatten gehen.

Von Brigitte Schmalenberg

Kita_2012_kleinWer in Scheibenhardt wohnt, der hat es bekanntlich nicht weit bis nach Frankreich. Nur einen Katzensprung über das Grenzflüsschen Lauter hinweg - schon ist man im elsässischen Scheibenhard, wo der Ortsname eine andere Schreibweise hat, die Menschen anders sprechen und die Bäcker keine Schneckennudeln, sonders Croissants feilbieten. Da kann es nicht schaden, wenn man als Kind so früh wie möglich mit dem Fremden vertraut gemacht wird und grenzüberschreitende Freundschaften schließt. Weil die Scheibenhardter Kita „Sonnenschein” seit vielen Jahren von einer gebürtigen Französin geleitet wird, lernen deren Schützlinge die Sprache der Nachbarn quasi en passant. Immer wieder lässt Claudie Knaub französische Begriffe in den Kita-Alltag einfließen und ein Mal die Woche gibt es für die Vier- bis Sechsjährigen eine Französisch-Intensiv-Stunde, um im Stuhlkreis mit Liedern und einfachen Texten den Fremdwortschatz zu erweitern und die Klangmelodie zu erspüren. Die Sonnenscheinkinder pflegen sogar eine lebendige Freundschaft mit den Schützlingen der Ecole-Maternelle in Scheibenhard. Bei gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Aktionen, wie etwa einem Waldtag, lernen sie sich und die Sprache des anderen kennen und verlieren schnell die Hemmungen vor dem Unbekannten. Der grenzüberschreitende St. Martinsumzug, bei dem alle zusammen sowohl deutsche als auch französische Laternenlieder singen, ist dabei stets ein Höhepunkt im deutsch-französischen Jahresreigen. 

Quelle: DIE RHEINPFALZ; Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene; Ausgabe: Nr.201, Mittwoch, den 29. August 2012 (Auszugsweise)