Jenseits der Grenze

Scheibenhardt/Scheibenhard: Ein Chor verbindet beide Seiten der Lauter

Von Monika Bögelspacher

lauterchor2012_kleinAus einer geselligen Runde auf der deutschen Seite ist ein eingetragener Verein in Frankreich geworden. Die Sänger treffen sich alle zwei Wochen und lernen Schlager und französische Lieder. Auch dieser Chor freut sich über neue Sänger. Egal aus welchem Land. So wie das Wasser als Wellen in der Lauter sanft über die Steine plätschert oder im Bienwald im tiefen Grund gurgelt - so heiter und fröhlich oder so tief erklingen die Stimmen der Sänger im Lauterchor. Und so wie das Lauterwasser mal an das elsässische, mal an das deutsche Ufer schwappt, so kommen die etwa 25 Stimmen des Lauterchors gleichmäßig verteilt von diesseits und jenseits der Grenze.Zunächst war es Geselligkeit und gemeinsames Singen beliebter Volkslieder bei Heimatabenden. „In der Krone bei Elsa haben wir uns getroffen, einer früheren Institution im deutschen Scheibenhardt”, erzählt Charlie Ludwig, der schon seit Anbeginn den Chor mit seinem wohltönenden Bass unterstützt. Er weiß auch, dass die ursprünglichen Sänger alle aus dem Fischerverein stammen. 1992 wurde aus dem geselligen Singen bei Elsa in der Krone auf der deutschen Seite ein Verein. Eingetragen im französischen Register in Straßburg. „Eine außergewöhnliche Aktion, da eingetragene Vereine in Deutschland eine weit größere Rolle als in Frankreich spielen”, sagt Jean-Paul Ohlmann, Vorsitzender des Vereins. Sein Stellvertreter Karl Rihm pflichtet ihm bei.Erna Zimmermann ist Chorleiterin und Christel Albiez begleitet die Gruppe auf dem Akkordeon. Beide Hobbymusikerinnen schreiben neue Texte zu bekannten Liedern und arrangieren die Musik passend für ihre Lauterchor-Stimmen. Sängerin Luise Eckert hat eine Hymne für beide Orte Scheibenhard(t)s geschrieben. „Der Spaß am Singen ist uns wichtiger als schwierige mehrstimmige Chorsätze”, sagt Erna Zimmermann.So wie die Lauterwellen jeden benetzen, der ihnen zu nahe kommt, werden die Zuhörer von der Fröhlichkeit erfasst, die der Chor ausstrahlt. Nach dem „Heissa Kathreinerle” oder „Fideralalla” aus der Vogelhochzeit - mit dabei ein kesser Hüftschwung - erklingt auch das melancholische „Jenseits des Tales”. Gelernt werden auch bekannte Schlager oder französische Lieder, bei denen schon beim Üben Heiterkeit verbreitet wird. „Viele Lieder werden vom Stammpublikum inzwischen erwartet, wie bei bekannten Bands”, berichtet die Chorleiterin. „Ohne den ,Pfälzer Wind' kommen wir nicht mehr von der Bühne.” Allerdings sind Bühnenauftritte nicht besonders häufig, auch wenn die Sänger bereits zur Tradition der Neujahrsempfänge, von „Kerwe-Abenden” oder Altennachmittagen gehören. Die Sänger und ihre Angehörigen feiern gerne zusammen, sie treffen sich zu Ausflügen und Aktivitäten. „Und wir sind mit unserer grenzüberschreitenden Freundschaft und Geselligkeit schon lange ganz echte Europäer”, verkünden sie im Rückblick. Doch auch wenn das Lauterwasser spritzig und zielstrebig zum Rhein strömt, ist der Blick in die Zukunft für den Chor etwas getrübt. Die Enkelkinder sprechen kaum mehr Elsass-Deutsch. „Alla - so frein wir uns an der Gegenwart und neue Sänger sinn immer willkommen”, sagt Ohlmann.
Info:Gesungen wird alle zwei Wochen im Gemeindehaus von Scheibenhard/Elsass. Auskünfte bei Karl Rihm unter der Telefonnummer 07277 490.
 
Quelle: MARKTPLATZ, Marktplatz regional Kandel, Ausgabe: Nr.141, Mittwoch, den 20. Juni 2012